|
|
| Freuden und Leiden einer Schülerin |
 |
Wer sie nicht bereits in den Sommerferien geschrieben hat, wird sich fragen: Gibt es überhaupt Freuden beim Schreiben der Maturitätsarbeit?
Anfangs hätte ich lachend den Kopf geschüttelt: «Logisch nöd!» Doch als sich immer mehr Figuren und Bilder aus meinen Gedanken herauskristallisierten und ich richtig Lust bekam zu schreiben, sah ich die Frage in einem anderen Licht: «Die Freude ist die unendliche Kreativität, die ich ausschöpfen kann, weil keiner vor mir diese Ideen hatte.» Ich habe – wie viele andere – sehr viel Zeit aufgewendet.
Die einen arbeiteten vermutlich für die 13. Abschlussnote, die anderen, weil ihnen dasselbe geschah wie mir: Irgendwann hat sie dich, deine Maturarbeit. Wenn schon Zeit investieren, dann richtig, und wenn schon gut, dann richtig gut. Und ich denke, darin liegt auch das Geheimnis der Antwort auf die oben gestellte Frage: «Die Freude kommt nicht während des Schaffens; die Freude kommt nach der Abgabe, wenn mir bewusst wird, dass das mein Werk ist, voll mit meiner Zeit, meinen Ideen und meinen Gedanken.»
Gioia Porlezza, 4aW, Verfasserin des Kriminalromans «Gnadenlos»
|
 |
 |
| Leiden und Freuden eines Betreuers |
Es leidet der Lehrer, den kein Schüler bittet, seine Arbeit zu betreuen. Er fragt sich: Hat mein Fach nichts zu bieten? Traut man mir die Rolle des Coachs nicht zu? – Darüber kann man ganz schön ins Grübeln geraten …
Nur wenig freut sich der Lehrer, wenn ihn ein Schüler mit wenig Motivation, Eigeninitiative und Selbstdisziplin anfragt. Er schlägt die Hände über dem Kopf zusammen: Statt der Rolle des Beraters erwartet ihn vielleicht die Rolle des Antreibers.
Es freut aber den Lehrer, wenn ihn eine motivierte, initiative Schülerin zur Begleitung ihres Maturitätsarbeits-Projekts einlädt. Er ist glücklich, weil er für ein halbes Jahr eine Traum-Rolle übernehmen darf: Unterstützen statt Antreiben, Coachen statt Führen, Würdigen statt Kritisieren.
Georges Hartmeier, Deutschlehrer von Gioia Porlezza
|
| |
|