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Pendeln zwischen Baracken und BetonschiffArchitektur der Kantonsschule Büelrain
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| 24 Jahre lang musste unsere Schule in einem Barackenprovisorium ausharren, bis die zunehmende Raumknappheit endlich dazu führte, dass wir im Jahre 1992 in ein neues Haus einziehen konnten. Das Gebäude war nicht als Ersatz-, sondern als Ergänzungsbau geplant. In einer späteren Phase sollten die Pavillons durch einen zweiten Neubau ersetzt werden. Mittlerweile sind viele Jahre vergangen und die Pavillons, die in der Zwischenzeit nach und nach eine Verjüngungskur über sich ergehen lassen mussten, fristen noch immer ihr unverwüstliches Dasein an der Rosenstrasse.
Hinsichtlich der anhaltenden Raumknappheit ist es bedauerlich, dass der Kanton die Bewilligung für die zweite Bauetappe aufgrund fehlender Mittel weiterhin auf die lange Bank schiebt. Andererseits – und da spreche ich sicher einigen meiner Kolleginnen und Kollegen aus der Seele – wäre der Verlust der inzwischen liebgewonnen Barackenbauten ein schmerzlicher Einschnitt. Auch provisorische Holzbauten haben ihren Charme, den manche Lehrer/-innen und Schüler/-innen erst im Kontrast zum kühlen und Sachlichkeit ausstrahlenden Neubau entdeckt haben. Während in den holzdominierten Baracken heimelige Wohnatmosphäre vorherrscht, mit Kaffeenischen, Kuschelecken und japanisch anmutenden Hinterhofgärten – eine Lernumgebnung die gewöhnlich Primarschulhäusern vorbehalten bleibt – empfinden viele den neuzeitlich und funktional gestalteten Betonbau des Architekten Arnold Amsler zwar gewöhnungsbedürftig, aber unter dem Aspekt der geeigneten Lernumgebung für Gymnasiasten durchaus angemessen. Dass der kühle Bau trotz allem niemanden kalt lässt, zeigen die vielen unterschiedlichen Reaktionen, die von Begeisterung bis Ablehnung reichen. Während die einen die Schroffheit der grossen Betonwand und die schluchtartige Verjüngung der beiden Gebäudekörper als gefängnissartige Einengung empfinden, loben andere gerade diese Elemente und die Kompromisslosigkeit unserer Schulhausarchitektur, die bisweilen an sakrale Baudenkmäler und an Schiffsbau erinnern.
So gesehen ergänzen sich der Neubau und das Altbauprovisorium geradezu in idealer Weise. Hallenartige Grösse, sachliche Strenge und unkonventionelle Ästhetik auf der einen, Wärme, Nähe und improvisierte Behausung auf der anderen Seite. Eine Mischung, die sich vielleicht als Modell zeitgemässer Schulhausarchitektur bewähren könnte und dazu beiträgt, den Lernprozess der Schüler sowie die soziale Interaktion der Nutzer bestmöglich zu unterstützen und gleichzeitig über den blossen Gebrauchszweck hinaus als modernen und ausdrucksstarken Bau die Wahrnehmungsfähigkeit der Bewohnerinnen und Bewohner nachhaltig zu beeinflussen.
André Bless, Lehrer für Bildnerisches Gestalten
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