Weiterbildung: Innovation auf dem Prüfstand

Die Welt verändert sich permanent und auch Schulen sind einem ständigen Entwicklungsdruck ausgesetzt. Ziel der Lehrerfortbildung in Ittingen am 21. und 22. November war, Veränderungen zu analysieren, technische Möglichkeiten zu prüfen, aber auch konkrete Bildungsprojekte zu entwickeln.

Die Mühlen der Schule mahlen langsam, aber stetig; längst hat auch im Unterricht die Digitalisierung Einzug gehalten. Tafel und Kreide haben weitgehend ausgedient und neue Technologien stehen vor der Einführung. Die Bildungsinstitutionen müssen versuchen Schritt zu halten und Neues mit der nötigen Sorgfalt prüfen. Ittingen 2016 gab den Lehrerinnen und Lehrern Einblick in die aktuellen technischen Möglichkeiten: Mit der neuen Cloud Office 365 effiziente Formen des interaktiven Lehrens und Lernens entwickeln, mit Google Expeditions dreidimensional an jeden Ort der Welt reisen, mit der App Camtasia Unterrichts­sequenzen digital visualisieren oder dreidimensionale Reisen mit einer VR-­Brille durchführen und die Entwicklung von Jahrhunder­ten in wenigen Minuten virtuell erfahren (in Ittingen präsentiert von der Nagra) – die Lehrer/innen testeten, prüften und disku­tierten. Nicht alles, was auf den ersten Blick begeistert, eignet sich auch für nachhaltiges Lernen. Nichtsdestotrotz muss eine Schule die Kraft haben, das Bewährte zu hinterfragen und allen­falls neu zu gestalten oder zu ergänzen.

Technische Erneuerungen allein reichen aber nicht aus. «Jugend­liche bauen in der Adoleszenzphase ambivalente Erfahrungsfel­der auf», so der Ethnopsychoanalytiker Dr. Mario Erdheim in seinem Eingangsreferat. Schulen sind dann erfolgreich, so Erd­heim, wenn sie es schaffen, eine bedeutungsgebende Struktur anzubieten und gleichzeitig Platz für innere Individualisierungsprozesse lassen. Eine virtuelle Brille kann eben kein gemeinsames Bildungserlebnis ersetzen, sondern lediglich unterstützen.

Um diese Prozesse zu fördern, möchte die KBW neue Anlässe schaffen, die über die reine Wissensvermittlung hinausgehen. Inspiration und Know­how stellten hierfür Vertreter der Kantonsschulen Am Burgraben (St. Gallen) und Zürcher Unterland (Bülach) zur Verfügung, indem sie ihre Projekte «Maturball» und «Studientage» präsentierten. Die Umsetzung ähnlicher Projekte ist gerade in der Übergangszeit bis zum Bezug des Neubaus, in der die KBW'ler sich gezwungenermassen seltener sehen, be­sonders wichtig. Man darf gespannt sein, was die neu geschaffe­ne Arbeitsgruppe auf den Weg bringt. Schule braucht Visionen, wir arbeiten daran.

Leander Schickling, Deutschlehrer