«Hier ist ein tolles Baustellen-Team am Werk» 

Am Standort Rosenstrasse kann es dieser Tage laut werden: Nachdem der Baracken- und Variel-Trakt abgerissen worden sind, wird jetzt die Baugrube ausgehoben. Die Arbeiten gestalten sich anspruchsvoller als gedacht. Eine Baustellenbegehung.


Ein metallenes Röhren liegt in der Luft: Vier Meter unterhalb der Rosenstrasse bohrt ein weisses Raupenfahrzeug Löcher in die steile Böschung, um diese mit Ankern zu sichern. Zwei orange gekleidete Männer bedienen das Gefährt; trotz dicken Jacken und gefüt­terten Handschuhen scheinen sie zu frieren an diesem bissig kalten Morgen. Etwas wei­ter hinten ist ein gelber Schaufelbagger mit dem Feinaushub beschäftigt, und ein kleiner roter Trax rattert mit angehängten Armierungsgittern übers weite, mit einem weissen Zaun eingefasste Gelände, auf dem vor drei Monaten noch das halbe Büelrain stand.

Sonst ist heute nicht viel los auf der Baustelle. Abgeführt wird nichts, obwohl haufenwei­se lehmige Erde für den Abtransport bereitliegt. «Wir haben jetzt nochmals Anker in den Fels tätscht», sagt Yvo Högger, Tiefbau­-Polier der Firma Toggenburger, die für den Aushub verantwortlich zeichnet. «Jetzt ist der Hang ruhig.» Messpunkte zeigen an: «Null Verschie­bung.» Die bergseitige Baustellensicherung ist anspruchsvoller als geplant: «Schlechter Boden», meint Högger, «zwei Wochen Verzug.» Jetzt sind vor allem die vier Techniker des Subunternehmers Greuter gefordert: Zwei Lastwagen Spritzbeton werden pro Tag benö­tigt und jede Menge Felsanker, um die Baugrube zu stabilisieren. Erst danach kann Yvo Högger den Aushub vorantreiben, bis neun Meter unter Strassenniveau. Der Zeitplan sollte trotz der unvorhergesehenen Herausforderung problemlos eingehalten werden können.

Thorsten Nölle, Projektleiter des kantonalen Hochbauamts, sieht den 59.8 Millionen Franken teuren Bau schon emporwachsen: «In einem guten Jahr ist der Rohbau fertig, im Frühling 2018 feiern wir Aufrichte.» Er ist begeistert von der hier entstehenden Architektur: «Das wird eine ehrliche Konstruktion, echter Schweizer Minimalismus!» Architekt Jonas Wüest habe meisterhaft reduziert: kein Putz, kein Farbanstrich, keine Holzverkleidung. Deswegen sei die Rohbauqualität und damit die Wahl des Baumeis­ters entscheidend: Was dieser in den nächsten Monaten baut, werden Schüler/innen und Lehrer/innen später täglich sehen. Im Frühling werden deshalb Fassadenmuster erstellt und überprüft, bis man sagen kann: «Das ist die Referenz, so wollen wir es haben.»

Die Baumeisterarbeiten sind bereits vergeben: Den Zuschlag erhalten hat die Bauunter­nehmung Baltensperger AG, die ihren Hauptsitz diesen Frühling von Seuzach nach Winterthur verlegt. In sogenannten Submissionsverfahren müssen 50 Arbeitsgattungen ausgeschrieben werden, erläutert Nölle auf dem Weg zu seinem Büro­-Container.  Das kantonale Hochbauamt achtet bei der Vergabe nicht nur auf den offerierten Preis, sondern auch auf Kriterien wie Erfahrung, Qualitätsmanagement, Lehrlingsausbildung und nicht zuletzt das Vorhandensein von Umweltzertifikaten. Etwa die Hälfte der Sub­missionen wurde bereits durchgeführt, die andere Hälfte wird dafür vorbereitet. Gemäss Nölle interessieren sich viele regionale Bewerber für die Ausführung der Arbeiten.

Direkt an der Eulach hinter hohem Gestrüpp ist in den letzten Tagen etwas empor­gewachsen, das wie eine kleine Hüttensiedlung aussieht. Über einen doppelstöckigen Balkon gelangt man in die erste Etage. Kistenweise werden hier gerade Ordner an­ geliefert, denn Rahel Curiger, die Bauleiterin, bezieht ihr Büro. In den nächsten drei Jahren wird die junge Frau von hier aus das Wachsen der neuen Kanti Büelrain über­wachen.

Sie arbeitet im Auftrag der Planergemeinschaft, die aus dem Architekturbüro Jonas Wüest Architekten und der Baumangement-­Firma GMS Partner gebildet worden ist. Neben ihrem Büro befindet sich der Sitzungsraum, in dem in den nächsten Monaten mit Bestimmtheit viele Probleme besprochen und Lösungen gefunden werden. Thorsten Nölle, der Projektleiter vonseiten der Bauherrschaft, sieht dieser Zeit gelassen entge­gen. Er ist stolz auf das Planungs­- und Bauteam und überzeugt, dass hier ein «tolles Team» am Werk ist.

Mit einem Mal ist es ruhig geworden auf der Baustelle. Die acht Arbeiter haben sich in den Znüni-­Container zurückgezogen, um sich kurz aufzuwärmen. Bitter nötig an diesem eiskalten Tag im Dezember.

Daniel Wehrli, Deutschlehrer