Um die Jahrtausendwende begannen einzelne Zürcher Gemeinden und Städte damit, Sozialarbeit direkt an den Schulen einzuführen; unterdessen hat sich an den Volksschulen die Schulsozialarbeit (kurz SSA) als fixer Bestandteil ihres Lebensraums längst etabliert. Und wie steht es an den Mittelschulen?
Handlungsbedarf auf unserer Schulstufe
Etwas überspitzt gesagt, ging man lange davon aus, dass Schülerinnen und Schüler an Mittelschulen keine «Probleme» hätten, da es sich ja um leistungsbereite Schülerinnen und Schüler handle; Schulsozialarbeit sei hier also nicht nötig. Zum Glück hat der Kanton Zürich schnell erkannt, dass es auf unserer Schulstufe Handlungsbedarf gibt, da Klassenlehrpersonen, Schulleitungen und interne Beratungsteams immer häufiger überfordert waren und den Schülerinnen und Schülern nicht mehr helfen konnten oder nicht die richtige Hilfe fanden.
Das Pilotprojekt
Diese Erkenntnis führte zum Pilotprojekt, das im August 2022 an acht ausgewählten Kantonsschulen startete und SSA versuchsweise umsetzte. Die KBW war eine davon – nachdem sich die Schulleitung über Jahre beim Mittel- und Berufsschulamt des Kantons für diese Idee eingesetzt und schliesslich den Zuschlag für das Pilotprojekt erhalten hatte.
Susan Krausse baute im Sommer 2022 die ersten Strukturen der SSA Büelrain auf. Der KBW beziehungsweise Susan Krausse wurden damals 40 Stellenprozent zugesprochen. Das Mittelschul- und Berufsbildungsamt begleitete die Umsetzung des Projekts. Die Rückmeldungen der beteiligten Schulen, auch des Büelrains, nach dieser ersten Pilotphase waren durchwegs positiv.
Flächendeckende Schulsozialarbeit
Anfang Oktober 2023 hat sich der Regierungsrat des Kantons Zürich schliesslich dafür ausgesprochen, an Mittel- und Berufsfachschulen eine flächendeckende Schulsozialarbeit einzuführen. Ihr Ziel besteht darin, Prävention zu leisten, Probleme früh zu erkennen und Schülerinnen, Schülern und Lernenden in Krisen rechtzeitig Unterstützung zu bieten. Und zudem soll das Angebot dazu beitragen, die sozialen Folgen zu verringern, die durch Absenzen, Ausbildungsabbrüche oder komplexe Bildungswege entstehen.
Nachdem am 27. Januar 2025 eine entsprechende Gesetzesänderung im Kantonsrat beschlossen worden ist, können nun, ab April 2026, Mittel- und Berufsfachschulen flächendeckend Schulsozialarbeit einführen und damit ein professionelles, freiwilliges Beratungsangebot für Schüler:innen aufbauen.
Das SSA-Team
Zudem wurden die Stellenprozente erhöht. Die Kanti Büelrain verfügt neu über eine Vollzeitanstellung für Schulsozialarbeit.
Yvonne Geiger übernahm die Stelle der SSA im Mai 2025. Zusammen mit Sarina Silvestre wird sie nach den Herbstferien das SSA-Team bilden.
Regionalleitung Winterthur-Oberland
Wir sind besonders stolz darauf, dass nun auch andere Mittelschulen vom Pilotprojekt SSA an der KBW profitieren dürfen. Denn Yvonne Geiger wird das Büelrain zwar weiterhin als Schulsozialarbeiterin betreuen, aber auch als «Regionalleitung Winterthur-Oberland» für die Kantonsschulen Rychenberg, Im Lee und Zürcher Oberland zuständig sein. Ihre Aufgabe besteht darin, zu koordinieren, dass Schulsozialarbeit in dieser Region fachlich gut begleitet und weiterentwickelt wird.
Den Bedarf rasch erkannt
Der Kanton Zürich mit seinen über 20 Kantonsschulen scheint oft zu gross und deshalb träge, um schnelle Reformen und Neuerungen umzusetzen. In diesem Fall aber hat der Kanton den Bedarf rasch erkannt und die nötigen Schritte, Schulsozialarbeit an Mittelschulen einzurichten, innerhalb weniger Jahre eingeleitet und umgesetzt.
Ein rascher Erfolg.
Alessandro Bonaria, Prorektor